Ausgabe 3.2019

AUSZUG AUS DEM INHALT:

TITELTHEMA
Serieller Holzbau im Bestand – Gebäudemodernisierung mit Tafelbauweise

Ein Großteil des heutigen Gebäudebestands ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Dies bietet gleichzeitig die Möglichkeit, durch das Um- und Weiterbauen in einer städtebaulich verträglichen Nachverdichtung eine bessere Ausnutzung der bestehenden Baustrukturen zu erreichen. Die umfassende Modernisierung von Hülle, Haustechnik und einer funktionalen Raumänderung bis zur Barrierefreiheit spielen dabei eine große Rolle.

Es sind dauerhafte, wirtschaftliche und ökologische Lösungen notwendig, die im besten Fall aus dem bestehenden Bauwerk ein zukunftsgerechtes Gebäude schaffen – energieeffizient, CO2-neutral und mit einer Nutzungsstruktur, die an die heutigen Ansprüchen angepasst ist. Dabei bietet der Erhalt bestehender Bausubstanz mit der darin enthaltenen Primärenergie im Gegensatz zu einem Abbruch und der Entsorgung von Baumaterialien ein großes ökologisches Potenzial. Der Einsatz von Bauprodukten aus nachwachsenden Rohstoffen reduziert zusätzlich die Umweltbelastung. Holz und holzbasierte Baustoffe gewinnen für das Bauen im Bestand eine wichtige ökologische und technische Bedeutung.

Seriell vorgefertigte Holztafelbauelemente oder Raumzellen eignen sich für die Fassadenertüchtigung, den Ersatz oder die Ergänzung einzelner Bauteile bis hin zu räumlichen Erweiterungen als Anbau oder Aufstockung.  Der hohe Vorfertigungsgrad, der im Vergleich zu anderen Bauweisen leichten Holzbaukonstruktion und der schnelle Bauprozess mit einer präzisen Planung und Logistik vermindert gerade im städtischen Umfeld unnötige Belästigung durch den Baustellenbetrieb. Gängige Transport- und Hebetechniken erlauben auch bei beengten Situationen im Gebäudebestand eine präzise und zügige Montage. Durch die erhöhte Montagegeschwindigkeit gelingt es, das Gebäude während der Bauphase besser vor Niederschlag zu schützen und dadurch das Schadenspotenzial durch Witterungseinflüsse zu reduzieren.

REALISIERTE OBJEKTE
Wohnanlage in Berlin – Neues Wohnen am Ufer der Panke
Flüsse in Berlin? Den meisten fallen dazu Spree, Landwehrkanal oder Havel ein. Auf 20 km Länge verläuft durchs Berliner Stadtgebiet jedoch noch ein kleineres Fließgewässer, das von einem idyllischen Fahrradweg begleitet ist, die Panke. Die dort entstandenen UFERHÖFE sind von der Vergabe innerhalb eines Generalübernehmerverfahrens bis hin zur Befragung der Mieter zu ihrer Zufriedenheit ein besonderes Projekt.

Ausbauhaus Lichtenberg – Individuell und kostengünstig
In Berlin hat eine Baugruppe ein Mehrfamilienhaus mit 37 Wohnungen und einer Gewerbeeinheit zum Selbstkostenpreis errichtet. Das Gebäudeensemble ist typologisch vielfältig und bietet eine Grundstruktur, die für  Veränderungen und für eine aktive Inbesitznahme durch die Nutzer wie z. B. durch den Selbstausbau offenbleibt. Der Rohbau wurde mit vorgefertigten Elementen errichtet.

STÄDTEBAU & QUARTIERSENTWICKLUNG
Zertifizierung von Quartieren – Auf Nachhaltigkeit geprüft
Im Gebäudebereich hat sich das Prinzip der Nachhaltigkeitszertifizierung in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland immer mehr etabliert. Auch bei der Quartiersentwicklung gewinnt das Verfahren zunehmend an Relevanz und Beliebtheit. Führend ist dabei das System der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, kurz DGNB.

Dezentrale Regenwasserversickerung – Regenwassermanagement zur Überflutungsvorsorge
Die Zahl der Starkniederschläge hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Dabei hat sich gezeigt, dass die Kanalisation nicht in der Lage ist, den gesamten Niederschlag sicher abzuleiten. Zudem kann das Kanalsystem allein auch nicht für den Erhalt des Wasserhaushalts sorgen. Dieser ist jedoch nicht nur im Wasserhaushaltsgesetz verankert, sondern auch erklärtes Ziel der Wasserwirtschaft. Der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung kommt daher eine besondere Bedeutung zu.

INTERVIEW
Im Gespräch mit ACMS Architekten: Energieeffizienz und Recycling
Vorfertigung bietet Chancen, birgt aber auch Risiken. Gute und im besten Sinn nachhaltige Architektur ist mit ihr, aber natürlich auch ohne sie möglich. Welche Rolle die Energie- und Ressourceneffizienz und das Recycling bei  vorgefertigten Elementen spielt, erklären Prof. Christian Schlüter, Olaf Scheinpflug und Michael Müller, Geschäftsführer von ACMS Architekten.

ENERGIE, TECHNIK & BAUSTOFFE
Fassadengestaltung mit Klinkersteinen – Wohnkomplex in Eindhoven
„Die Basis entscheidet mit“ – so lautete das Motto, nach dem die Wohnanlage Space-S in Eindhoven gebaut worden ist. Sieben Gebäude, ausnahmslos mit Sozialwohnungen, gruppieren sich um Grünflächen und bieten den Bewohnern alle Annehmlichkeiten des modernen Wohnens. Die Klinkerfassaden fügen sich dabei perfekt in die bestehende industrielle Backsteinarchitektur ein.

BAUKOSTEN & FINANZIERUNG
Kostenplanung – Die neue DIN 276 Kosten im Bauwesen
Die Neuausgabe der DIN 276:2018-12 verspricht eine Struktur für alle Planungsbereiche des Bauwesens. Neben Hochbauten sollen auch die Kosten von Infrastrukturanlagen wie Ingenieurbauwerken, Verkehrsanlagen und Freianlagen in einem einheitlichen Kostensystem erfasst werden.

RECHT & STEUERN
Kommunale Grundstücksvergabe – Offene Konzeptvergabe in der Stadtentwicklung
Anstelle eines Höchstbieterverfahrens ermöglicht eine Vergabe der Grundstücke nach Konzeptqualität, langfristig lebendige und vielfältige Quartiere zu schaffen. Doch wie kann diese positiven Einfluss auf die Architekturqualität und die Stadtentwicklung nehmen?

Offensichtlich?!

Manchen Gebäuden sieht man ihre innere Struktur oder Materialität gleich an. Wie dem Studentenwohnheim WOODIE in Hamburg, bei dem der Name Programm ist: Die Apartments des Holz-Modulbaus für 371 Studierende sind inklusive ihrer Einbauten komplett aus Brettschichtholz vorgefertigt, was sich auch in der hinterlüfteten, elementierten Vorhangfassade aus vorvergrauter Lärche widerspiegelt. Getragen werden die Module von einem „Betontisch“, der Räume für Gemeinschaftsnutzungen und die Gastronomie enthält.

Doch nicht immer ist einem Holzbau das Holz anzusehen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Wenn sich das Gebäude z. B. in ein gewachsenes, denkmalgeschütztes Ensemble einfügen soll, dann müssen andere Lösungen her. Welche das sind, erfahren Sie in unserem Interview auf Seite 12.

Ob offensichtlich oder versteckt: Mit Holz lässt es sich ressourcenschonend, energieeffizient und flächensparend bauen. Vielleicht ein Grund, warum sich immer mehr private Bauherren, Investoren und Architekten für diesen Rohstoff interessieren.

Ihre Julia Ciriacy-Wantrup
Chefredakteurin QUARTIER