Gemeinschaft stiftende Revitalisierung in Bremen: Historie trifft zeitgemäßes Wohnen

Gemeinschaft stiftende Revitalisierung in Bremen: Historie trifft zeitgemäßes Wohnen

Realisierte Objekte

Gemeinschaft stiftende Revitalisierung in Bremen: Historie trifft zeitgemäßes Wohnen

Text: Peter Theissing | Foto (Header): © KS-ORIGINAL/OLAF MAHLSTEDT

Im Bremer Stadtteil Vegesack ist ein Quartier mit historischen Wurzeln entstanden. Dabei entschieden sich Auftraggeber und Architekten nicht nur für einen inklusiven Ansatz. Massive Modulbauwände aus Kalksandstein ermöglichten zudem eine präzise und effiziente Ausführung auf der Baustelle.

Auszug aus:

Die Geschichte des Hartmannstifts in Bremen Vegesack geht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1887 wurde es als Stadtkrankenhaus eröffnet. Der Unternehmer und Namensgeber Wilhelm Hartmann stiftete es seiner Heimatstadt als Asyl für mittellose kranke Menschen. Später wurde es Teil des Klinikums Bremen-Nord. Nach Auszug der medizinischen Einrichtungen wurden die Räumlichkeiten vom Bauamt Bremen-Nord übernommen.

Die Vergangenheit hinterließ vor allem im direkten Umfeld des Gebäudes Spuren. Zwei Erweiterungsbauten versperrten im Laufe der Zeit den Blick auf den historischen Bestand. Hinzu kam der Auszug des Bauamts im Jahr 2010, der den Leerstand des Hartmannstifts mit sich brachte. Nachdem der erste Versuch, Grundstück und Gebäude mit neuem Leben zu füllen, gescheitert war, wagte die PROCON Realisierungsgesellschaft mbH im Jointventure mit der ELB Real Estate GmbH & Co. KG und dem Bremer Wohnungsunternehmen GEWOBA einen weiteren Anlauf, der erfolgreich war: Das neue Stadtquartier Hartmannstift wurde im Sommer 2025 fertiggestellt

Vergangenheit erlebbar gemacht

Die Planung geht auf SCHÖNBORN SCHMITZ Architekten zurück. Sie sollten den Stiftungsbau im städtischen Kontext wieder sichtbar machen, sanieren und energetisch ertüchtigen. Zugleich sollte das Areal zu einem durchmischten Wohngebiet mit verschiedenen inklusiven Wohnformen, Kindertagesstätte und Tagespflege umgewandelt werden. Der Entwurf des Berliner Büros sah daher zunächst einmal den Rückbau der Erweiterungen aus der Nachkriegszeit vor, um den historischen Altbau freizustellen. Der so entstandene Platz bildet auf seiner Vorderseite, zusammen mit zwei links und rechts positionierten Neubauten, den Auftakt des Quartiers. Gleichzeitig sind hier sämtliche öffentlich-soziale Einrichtungen wie besagte Kita, Tagespflege sowie barrierefreie Wohnungen für inklusive und demenzielle Wohngruppen versammelt. Auf der rückwärtigen Seite platzierten die Architekten vier weitere Neubauten, die eine Mittelachse bilden. Diese ist autofrei und weitet sich zum historischen Bestand auf, um ihn als Mittelpunkt des Quartiers zu inszenieren. Durch die lockere Anordnung der Neubauten werden auf dem Gelände mehrere Spazierwege geschaffen, die sich durch und um den Baumbestand schlängeln.

1 | Von der öffentlichen Durchwegung durch das autofreie Quartier profitieren auch die Anwohnenden.
BILD: KS-ORIGINAL/OLAF MAHLSTEDT

2 | Die im Werk vorgefertigten Modulbauwände wurden mittels Tieflader zur Baustelle transportiert und anschließend mithilfe eines Krans im Mörtelbett ausgerichtet.
BILD: KS-ORIGINAL/OLAF MAHLSTEDT

Bezahlbar und barrierefrei

Insgesamt entstanden 68 barrierefreie Wohneinheiten mit Wohnflächen von 49 bis 98 m² für Familien, Alleinerziehende oder auch Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. 32 davon werden von der GEWOBA heute preisgebunden zu 6,50 Euro/m² vermietet. Alle Wohnungen verfügen über einen Balkon oder eine Loggia. Die Tiefgarage beinhaltet 31 Pkw- Stellplätze mit zehn Ladevorrichtungen für Elektromobilität sowie Räume für Fahrräder oder Kinderwagen.

3 | Während des Aushärtens wurden die Kalksandsteinwände mit Schrägstützen gesichert.
BILD: KS-ORIGINAL/OLAF MAHLSTEDT

4 | Über ihre Klinkerfassaden stellen die Neubauten den Bezug zum Bestand her.
BILD: KS-ORIGINAL/OLAF MAHLSTEDT

Massive Mauertafeln als tragende Basis

Für die massive Tragstruktur der Neubauten kamen Mauertafeln aus Kalksandstein zum Einsatz. Vorgefertigt wurden sie im 60 km entfernten Werk Kastendiek der KS-Bausysteme GmbH & Co. KG, Mitglied des KS-Original-Markenverbunds. Die Fertigbauteile bestehen aus KS-Plansteinen mit einer Höhe von 3,70 m und einer Breite von maximal 6,00 m und können in allen marktüblichen Wanddicken hergestellt werden. Fenster- und Türöffnungen inklusive notwendiger Stürze sind ebenso möglich wie Schräg- und Giebelschnitt sowie eine Sockelabdichtung ab Werk. Zudem können auch Maueranker und Durchführungen der TGA-Sonderteile wie Lüfter integriert und auch Kimm- und Wärmedämmstein vermauert werden.

Digital geplant, automatisiert produziert

Für die Vorbereitung der Produktion erstellte das KS-Werk auf Grundlage der Ausführungsplanung Wandabwicklungspläne. Hierin sind alle zuvor erläuterten projektspezifischen Anforderungen berücksichtigt. Zusätzlich werden die Wände nach wirtschaftlichen Kriterien wie dem Materialeinsatz und der Verarbeitbarkeit optimiert. Beim anschließenden Prozess werden die Steinreihen manuell mit Unterstützung eines Versetzkrans vermauert. Nach jeder Steinreihe übernimmt ein Halbautomat die Vermörtelung der Lagerfuge. Nachdem alle Schichten erstellt wurden, wird die Wandtafel mit Stahlbändern gesichert und mittels Tieflader zur Baustelle geliefert.

Vor Ort wird die Positionierung der Fertigteilwände im Vorfeld auf der Bodenplatte oder Geschossdecke gekennzeichnet. Im Anschluss werden die Mauertafeln mithilfe eines Krans im Mörtelbett ausgerichtet und mit Fugen von 2 bis 4 cm aneinandergestellt. Diese werden anschließend mit Mörtel verfüllt.

Bis zur Herstellung der oberen Halterung der Wände durch eine aufliegende Decke oder eines statisch wirksamen Ringbalkens werden sie mit Schrägstützen gesichert. Im Vergleich zum traditionellen Vermauern ist die Montage der Wände deutlich ergonomischer und benötigt nicht zwingend Fachkräfte. Der Fertigungsprozess ist darüber hinaus nicht nur witterungsunabhängig, sondern, ausgehend von der traditionellen Vermauerung mit Mittelformaten, auch bis zu 15-mal schneller.

Ausgezeichnet für den Weiterbau von Stadt und Bestand

Ein weiterer Bezug zum historischen Bestand wird durch den äußeren Abschluss der Außenwände, die roten Klinkerfassaden, hergestellt. Neben ihrer Farbigkeit sind es auch ihre ruhige, klare Gliederung mit regelmäßig gesetzten, großformatigen Fenstern sowie ein feines Relief, die das Herzstück des Quartiers aufgreifen.

Für die Maßstäblichkeit im städtebaulichen Kontext, den Erhalt des wertvollen Baumbestands und die ruhige, handwerklich präzise Architektur wurde das Hartmannstift-Quartier mit dem Bremer Wohnbaupreis 2025 ausgezeichnet.

Der Autor


Peter Theissing
Geschäftsführer KS-Original, Hannover

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