VARIO-WOHNEN IN BOCHUM

Studentische Wohn-Oase

Text: Christine Wolf | Foto (Header): © luna1904 – stock.adobe.com

Das Akademische Förderungswerk Bochum (AKAFÖ) realisierte 2019 in unmittelbarer Nähe zur Ruhruniversität Bochum eine moderne Wohnanlage für 258 Studierende. ACMS Architekten aus Wuppertal entwickelten einen vier- und fünfgeschossigen Neubau in elementierter Hybridbauweise. Die Freianlagen stammen von wbp Landschaftsarchitekten.

Auszug aus:

Modulares, nachhaltiges, nutzungsoffenes und kostenbewusstes Bauen mit hohen Wohnqualitäten sind die zentralen Ziele des Projekts. Spricht man mit den Bewohnern, so sind sie von der Anlage begeistert; man habe hier das Feeling von einer modernen luftigen Wohnanlage mit Blick ins Grüne.

Attraktives Wohnen zwischen Uni und City

Das Wohnquartier hat durch den benachbarten Radweg entlang der Universitätsstraße und die nahe U‑Bahnhaltestelle eine perfekte autofreie Anbindung an die Ruhruniversität Bochum (RUB) wie auch in die Innenstadt. In nur 10 Minuten gelangt man fußläufig zur RUB. Diese Faktoren ermöglichen reduzierte Angebote an Pkw-Stellplätzen. Alternativ wurden ca. 150 Radstellplätze zur Verfügung gestellt. Diese sind teilweise den drei Zugängen zugeordnet und teilweise im Untergeschoss des südlichen Bauteils untergebracht.

Die drei L-förmigen Gebäudeteile bilden nach Westen einen Rücken zur stark befahrenen Universitätsstraße. Der Baumbestand entlang der Universitätsstraße wurde so weit wie möglich erhalten. Schafft er doch einen grünen Saum und einen gefühlten Lärmschutz (der eigentlich durch die Lärmschutzfenster nach Westen erfolgt). Nach Osten umschließen die Gebäuderiegel großzügige grüne Höfe mit Ausblick auf eine benachbarte, mit vielen Bäumen überstandene ältere Studentenwohnanlage.

Vom westlichen Zufahrts- und Parkierungsband bilden schmale Gassen barrierefreie Zugänge zu den einzelnen Bauteilen. Der große Höhenunterschied in Nord-Süd-Richtung wird durch Sockel und Mauern sehr ruhig und unauffällig überwunden. Der Zugang von Norden erfolgt über eine großzügige Treppenanlage in Nachbarschaft einer alten Baumgruppe.

Raum für Begegnung

Das Freiraumkonzept ist eng mit den Gebäudefunktionen verzahnt. Die Innenhöfe sind multifunktional, gut aneigenbar und in Hinblick auf die Pflege robust entwickelt. Im Erdgeschoss der drei Gebäudeeinheiten befinden sich die Gemeinschaftseinrichtungen wie ein großer Gemeinschaftstraum mit kleiner Küche und der Waschmaschinenraum mit Orientierung zu den Innenhöfen. Zur Stärkung der Kommunikation, für das gemeinsame Studieren und Feiern sind hier große baumbestandene Terrassen mit Blick auf die Höfe angeordnet. Bänke und Stufen bilden die Grundinfrastruktur, die durch Möbel aus den Gemeinschaftsräumen ergänzt werden können. Die tiefer liegenden Hofflächen für die Feuerwehrzufahrten sowie die Regenrückhaltemulden sind so angelegt, dass man hier auch Bolzen oder Chillen kann.

Am Haupteingang und an den seitlichen Zugängen laden Sitzelemente zum Verweilen und zu einem kleinen Austausch mit den Mitbewohnern ein. Je Haus gibt es zusätzlich Terrassen auf den Dächern, die jedoch aufgrund der Corona-Beschränkungen bisher noch nicht genutzt werden konnten.

Grün- und Entwässerungskonzept

Begrünung und Zwischenspeicherung des Oberflächenwassers leisten einen Beitrag zu einer klimasensiblen Freiflächengestaltung. Wo möglich, wurde der Baumbestand erhalten und durch hitzeunempfindliche und einheimische Gehölzarten ergänzt. Obstgehölze im Gelände laden zum Ernten ein.

Gebäudenah wurden robuste Stauden gesetzt, und die gebäudefernen Bereiche sind weitgehend von Blumenwiesen geprägt. Für Kräuter und Gemüse angedachte Pflanztröge im nördlichen Hof werden zur Selbstversorgung der Studierenden genutzt.

Das vorhandene Gefälle des Grundstücks erleichtert das oberirdische Sammeln und Versickern des Dach- und Oberflächenwassers. Dachbegrünungen, flache Retentionsmulden in den Höfen und weitere tiefer liegende Mulden reduzieren die Ableitungsmenge in den Regenwasserkanal.

Uns war es wichtig, die Ableitung des Wassers im Bereich der Terrassen und Höfe auch gestalterisch ablesbar zu gestalten. So wird das Dachwasser über Betonrinnen, die in die Treppen- und Sitzanlagen integriert sind, den tiefer liegenden Mulden zugeleitet.

Materialität

Die Außenwandkonstruktion der Gebäude besteht überwiegend aus vorgefertigten, nicht tragenden Holztafelelementen. Trotz der nach Landesbauordnung NRW (gleichlautend in allen Bundesländern) für die vorliegende Gebäudeklasse 4 notwendigen Brandklasse B1 (schwer entflammbar), konnte Holz als kostengünstiges und CO²-bindendes Material eingesetzt werden. Ermöglicht wurde dies durch eine entsprechende Befreiung auf Basis der seit 2005 in der Schweiz eingeführten technischen Baubestimmungen. Auf der Nord- und stark baumbestandenen Westseite wurde aufgrund fehlender Abtrocknungsmöglichkeiten auf Faserbeton-Platten-Streifen zurückgegriffen. Diese erzeugen mit unterschiedlichen Oberflächenstrukturierungen ein dem Holz nicht unähnliches belebtes Fassadenbild. Im Bereich der Giebelwände sind die aus Brandschutzgründen notwendigen Betonaußenwände mit großformatigen verzinkten Stahlblechtafeln verkleidet. Auch hier entsteht durch die individuelle Zinkblume ein „natürlicher“ Fassadeneindruck.

Die Materialien, Beläge und Ausstattung im Außenbereich bestehen aus wenigen Materialien. Sie verbinden die Sprache der Architektur mit dem Freiraum. Betonfertigteile für die Sockel, Stufen, Mauern und Entwässerungsrinnen, modulare Platten- und Pflasterformate passend zu den Betonelementen und Holzsitzauflagen aus einheimischen Hölzern.

Start mit Hindernissen

Die Gemeinschaftsräume und Terrassen sind aufgrund der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie erst seit wenigen Wochen nutzbar. Dennoch betonen die Studierenden, die hier leben, dass die Architektur und der Außenraum das Wohnen hier zu etwas Besonderem machen: das moderne, einladende Gesamtensemble hat viel Raum für Gemeinschaft und Kommunikation; hier studiert, wohnt und lebt man sehr gerne.

Die Autorin

Christine Wolf

Studium der Landespflege TU München-Weihenstephan
1988 – 1998 Mitarbeit und Partnerin bei Prof. Gerber, Dortmund
1998 bis heute wbp Landschaftsarchitekten GmbH mit Rebekka Junge im Team mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
Mehrjährige Tätigkeit an Hochschulen (Aachen, Wuppertal, Essen)
www.wbp-landschaftsarchitekten.de

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