Ausgabe 3.2021

AUSZUG AUS DEM INHALT:

TITELTHEMA
Fassade – Farbig gestaltete Siedlungen
Bruno Taut lockerte große Siedlungen mit städtebaulichen Tricks und Farbe gekonnt auf. Seine erschwinglichen Wohnungen in Berlin sind inzwischen UNESCO Weltkulturerbe. In seiner Tradition gestaltete Erich Wiesner für Steidle Architekten das Turiner Olympiadorf. Barbara Eble-Graebener erzeugt im Ecoquartier Pfaffenhofen mit Holz Plastizität, Architekturbüro Manderscheid mit durchgefärbtem Kalkputz. Und auf pure Materialfarbigkeit setzen zwei Quartiere mit Sozialwohnungen durch lokalen Lehm.

REALISIERTE OBJEKTE
Nachverdichtung mit Klinker – Cubes in Amsterdam
Im Westen der niederländischen Hauptstadt sind nach einem Entwurf des Architekturbüros LEVS zwei Gebäude mit 68 Wohnungen realisiert worden. Die sogenannten Cubes in der Gerrit Mannourystraat knüpfen an die Nachkriegsarchitektur der benachbarten Gartenstadt an. Gleichzeitig orientieren sich die beiden Komplexe an den neueren Gebäuden in diesem Nachverdichtungsgebiet. Die Anpassung an den architektonischen Kontext vollzieht sich unter anderem durch die Verwendung von Klinkern im Modulformat.

Wohnungsbau für Studenten in Berlin – Belichtung durch Profilglasfassade
Im Berliner Wedding überzeugt die ARGE Amrumer, bestehend aus den Architekturbüros carpaneto.schöningh architekten und Lemme Locke Lührs Architektinnen, mit ihrem experimentellen Wohnungsbau für Studenten. Im Auftrag der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag planten die Büros die Clusterwohnungen im Dialog mit den Nutzern. Die an der Fassade zur verkehrsreichen Straße positionierten Gemeinschafts- und Aktivitätsflächen sowie die dahinterliegenden Wohnräume sollten über die Fassade belichtet werden.

INTERVIEW
Im Gespräch mit Boris E. Biskamp:
Studentisches Wohnen in Bielefeld
Ausreichend zeitgemäßer Wohnraum für Studierende ist ein wesentlicher Faktor für die Qualität und Positionierung der Universitätsstadt Bielefeld, zu dem das Studierendenwerk Bielefeld mit rund 2.600 Wohnungen beiträgt. Rübsamen Partner entwickelten dafür zusammen mit dem Partnerbüro Ingenieurgesellschaft Laskowski ein Wohnquartier mit Apartments für 235 Studierende. Wir sprechen mit Boris E. Biskamp, geschäftsführender Gesellschafter bei Rübsamen Partner Architekten  BDA, über die Besonderheiten und Herausforderungen des Projekts.

STÄDTEBAU & QUARTIERSENTWICKLUNG
Werkswohnungsbau bei den Stadtwerken München – Mitarbeiterwohnen
Dort wohnen, wo man auch arbeitet: Das spart täglich lange Wege, Nerven und Lebenszeit. In einer hochpreisigen Stadt wie München ist das jedoch häufig eine Frage des Geldbeutels. Die Stadtwerke München setzen mit ihrem Werkswohnungsangebot darauf, dass Beschäftigte aller Lohngruppen sich das Leben in der bayerischen Landeshauptstadt leisten können. Sie setzen die „neue Wohnung zum neuen Job“ auch als gutes Argument auf dem Bewerbermarkt ein.

ENERGIE, TECHNIK & BAUSTOFFE
Brandschutz bei Nachverdichtung – Aufstockung
Der Druck auf die Großstädte nimmt zu, mehr Raum für Wohnen, Gewerbe und Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Dazu kommen Verkehrsflächen und Parkplätze, gleichzeitig dürfen Grünflächen oder Straßenbäume nicht vernachlässigt werden. Auch Flächen für Ver- und Entsorgung von Gütern und Abfällen sind erforderlich und nicht zuletzt Flächen für die Einsatzfahrzeuge diverser Rettungskräfte, u. a. der Feuerwehr. Welche Regelungen gelten bei Nachverdichtung durch Aufstockung mit Holz?

Fluchttreppen als rettender Ausweg – Nichts wie weg
Ohne Treppen geht es bei mehrgeschossigen Gebäuden nicht. Sie verbinden die einzelnen Etagen miteinander und sind im Notfall auch der entscheidende Flucht- oder Rettungsweg. Entsprechend streng sind die Vorschriften zu ihrer Planung und Gestaltung.

Einflussgrößen und Bedeutung der thermischen Behaglichkeit – Wohlfühlklima
Das dauerhafte Sicherstellen der thermischen Behaglichkeit des Menschen ist eine komplexe Angelegenheit und hängt von vielen, gleichzeitig wirksamen Faktoren ab. Mithilfe von Heizungs- und Klimaanlagen sowie Lüftungsgeräten lässt sich darauf Einfluss nehmen.

Forschungsprojekt „RadonVent“ – Radonschutz dank Lüftung
In Radon-Vorsorgegebieten gelten gemäß Strahlenschutzgesetz ab 2020 erstmals Regelungen zum Schutz vor Radon in Gebäuden mit Aufenthaltsräumen, wie Wohnungen, Kitas und Schulen, sowie an Arbeitsplätzen. Das radioaktive Edelgas Radon-222 ist vom Menschen nicht wahrnehmbar und kann langfristig Lungenkrebs auslösen. Forscher der inVENTer GmbH untersuchen in Zusammenarbeit u. a. mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) die Effektivität dezentraler Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung beim Abbau der Radon-Aktivitätskonzentration in der Raumluft.

Fassadengestaltung – Modul-Architektur
Modulgebäude sind keine Bauten von der Stange, sondern von Architekten individuell entworfene Gebäude. Bei der Grundrissplanung bieten sie alle Freiheiten – unabhängig voneinander in jedem Geschoss. Und auch bei der Fassadengestaltung ist alles möglich. Als Visitenkarte eines Gebäudes trägt die Fassade gestalterisch baukulturelle Verantwortung, stiftet Identität und repräsentiert das Corporate Design eines Unternehmens nach außen. Als Gebäudehülle übernimmt sie viele bauphysikalische Aufgaben.

BAUKOSTEN & FINANZIERUNG
Wohnraumbeschaffung durch private Investoren – Musterplanung für Mehrfamilienhäuser
Ein neuer Trend bahnt sich seinen Weg: Immer mehr private Investoren entdecken ihre Chancen im selbstentwickelten Mietwohnungsbau in der Stadt. Die Motivation ist klar: Sie sichern sich damit Einnahmen vom ersten Vermietungstag an und langfristig eine einträgliche „Rente“. Vom zugrunde liegenden „Zinshaus-Modell“ profitieren jedoch alle Beteiligten: Investoren, Mieter und alle Menschen in den Quartieren.

RECHT & STEUERN
Standsicherheit von Reihenhäusern – Fallstricke bei der Tragwerksplanung
In Freiburg führte der Bau einer Reihenhausanlage und die Frage der Standsicherheit von insgesamt 21 Reihenendhäusern zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Die spannende Frage lautete, ob der beauftragte Statiker es fehlerhaft unterließ, die für die Standsicherheit der Reihen(end)häuser jeweils erforderliche horizontale Aussteifung durch tragwerksplanerische Vorgaben zu gewährleisten.

Alles Fassade

Die Fassade ist das Gesicht des Hauses. Sie übernimmt statische, regulierende, schützende und optische Funktionen und ist damit die Schnittstelle zwischen innen und außen.

Wie spannend die Fassadengestaltung und das Beschäftigen mit ihr sein kann, zeigt Turit Fröbe in ihrem „Bestimmungsbuch für moderne Architektur“. Das Alltägliche wird in den Fokus gerückt.

Ausgangspunkt bei der Bestimmung sind die Fenster. Lässt das Gebäude eine Vorliebe für quadratische oder querrechteckige Fensterformate erahnen? Welche Materialien wurden verwendet: Messing, Fliesen oder Mosaik? Plötzlich wird der Stadtspaziergang zum Erlebnis – selbst für Fachleute, die sich darauf einlassen, spielerisch den Ort zu erkunden.

Der Fassadengestaltung widmen wir einen Schwerpunkt in dieser Ausgabe von QUARTIER und beschäftigen uns mit Farbe, Textur, der Verwendung unterschiedlicher Materialien und dem modularen Bauen.

Viel Freude beim Lesen wünscht

Ihre Julia Ciriacy-Wantrup
Chefredakteurin QUARTIER