Städtebau & Quartiersentwicklung
Klimaschutzquartier Hilgenfeld in Frankfurt – Energie neu gedacht
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BILD: ABG/ALEX HABERMEHL
Mit dem Klimaschutzquartier Hilgenfeld entsteht im Norden Frankfurts ein urbaner Lebensraum, der klimafreundliches und bezahlbares Wohnen verbindet. Strom und Wärme werden weitgehend aus erneuerbaren Energiequellen vor Ort gewonnen. Was konkret geplant ist verrät Frank Junker, Vorsitzender der Geschäftsführung der ABG FRANKFURT HOLDING.
Auszug aus:
QUARTIER
Ausgabe 5.2026
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Herr Junker, 54 Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 860 Wohnungen wird es ab 2028 auf dem knapp 18 ha großen Areal geben. Welche Strategie verfolgen Sie für eine nachhaltige Energieversorgung?
Wir haben uns seit ca. 25 Jahren auf die Fahnen geschrieben, dass wir unsere Neubauten alle hoch energieeffizient errichten und die Verbräuche möglichst regenerativ abgedeckt werden. Im Bereich des Geschosswohnungsbaus war dieser Passivhausstandard ein Novum in der Stadt Frankfurt und nicht frei von Risiken, weil niemand wusste, wie es vom Markt angenommen wird. Aber das Ganze ist geglückt, und wir sind mittlerweile bei ca. 5.500 Wohnungen im Passivhausstandard angekommen – von der Sozialwohnung bis zur Bauträger-Penthousewohnung. Mit dem Aktiv- Stadthaus haben wir im Jahr 2015 sogar ein Projekt umgesetzt, das mehr Energie erzeugt als von den Bewohnern verbraucht wird. Auf Quartiersebene übertragen wir die Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben, nun auf das Quartier Hilgenfeld, bei dem die Energie hauptsächlich regenerativ erzeugt wird. Es gibt über 200 geothermische Bohrungen, die der Grundversorgung für Wärme im Quartier dienen, der Strom wird über Photovoltaik auf den Dächern erzeugt. Nur für die Spitzenlastabdeckung würde Biogas zum Einsatz kommen. Die Abwasserwärmenutzung, die beim Projekt Aktiv-Haus zum Einsatz kam, hat sich im Quartier Hilgenfeld nicht angeboten, da die Abwassermengen fehlen. So loten wir bei jedem Projekt die bestmögliche Lösung aus.
Nach welchem Konzept erfolgt die Lieferung des Stroms an die Mieter?
Mein Anspruch ist, dass der Strom, der auf und an den Gebäuden erzeugt wird, von den Bewohnern genutzt wird – und zwar nicht über eine Einspeisung und Rückführung, sondern unmittelbar. Mit der Liberalisierung des Energierechts dürfen wir allerdings nicht vorgeben, wo ein Mieter seinen Strom beziehen soll. Daher inkludieren wir eine bestimmte Freimenge an Kilowattstunden in die Nettokalt- bzw. Warmmiete. Das heißt, der Mieter hat ein bestimmtes Freikontingent an Stromverbrauch. Beim Projekt Aktiv-Stadthaus, bei dem dieses Konzept auch schon zum Einsatz kam, hat es dafür gesorgt, dass es 100% der Mieter positiv angenommen haben. Dort und zukünftig auch im Quartier Hilgenfeld können die Bewohner ihren aktuellen Energieverbrauch auf einem Tablet im Wohnungsinneren ablesen, inklusive einer Hochrechnung auf das Quartal, das Halbjahr und Jahr. So haben die Bewohner einen Überblick was es z. B. bedeuten würde, über das Kontingent hinauszugehen – oder wie die Hochrechnung aussieht, wenn das aktuelle Verhalten beibehalten wird. Zusätzlich gibt es im Aktiv-Stadthaus ein Ranking aller 74 Wohnungen, wo ersichtlich ist, welche Wohnung wie viel Strom verbraucht bzw. an welcher Stelle sich jeder Einzelne befindet.
Wäre das auch eine Option für den geförderten Wohnungsbau?
Leider funktioniert dieses Modell nicht im Bereich geförderter Wohnungsbau, weil man dort bestimmte Kosten nicht in die Nettokaltmiete inkludieren darf. Das liegt an den Förderrichtlinien. Aber im preisfreien Wohnungsbau funktioniert es wunderbar.
Welche weiteren Merkmale zeichnen das Projekt in Hilgenfeld aus?
Das Quartier verfolgt das Prinzip der 15-Minuten-Stadt, in der alles erreichbar ist, was man für die soziale Infrastruktur benötigt: kleine Gewerbeflächen wie ein Bäcker oder Kiosk, Kindertagesstätten usw. Hohe Aufenthaltsqualität wird erreicht durch eine großflächige Durchgrünung, die einen lebenswerten Ort schafft.
Was sind die nächsten Schritte im Planungs- und Bauablauf?
Im Zuge der bauabschnittsweisen Baumaßnahme ist die Erschließung abgeschlossen. Tiefbau, Ver- und Entsorgung sind vorhanden und eine Lärmschutzwand ist errichtet worden. Aktuell stehen die Hochbaumaßnahmen an. Nun werden die Baulose vergeben, bei denen dann eben auch die Wohnungen errichtet werden. Beginnend mit dem Jahr 2028, werden die Wohnungen sukzessive in die Vermarktung und Vermietung gehen. Wir gehen davon aus, dass bis 2030 alle Maßnahmen abgeschlossen sein werden.
Welche Pläne und Ideen haben Sie für die Zukunft?
Wir haben bisher eine Vielzahl an Maß nahmen umgesetzt und wollen das auch weiterhin tun, und zwar vernetzt mit anderen Beteiligten. Mit dem Energieversorger Mainova haben wir vor ca. 15 Jahren eine gemeinsame Tochterfirma gegründet, die ABGnova. Diese vereint das Thema Energie mit dem Feld der Immobilien. Dort entwickeln wir Ideen für die Zukunft, wie wir das Thema Energie optimieren, aber auch einen Beitrag zur Neudefinition der Mobilität leisten können. Ein Beispiel nenne ich aus Offenbach. Dort haben wir im Rahmen eines Pilotprojekts die von der Stellplatzsatzung vorgegebenen Stellplätze minimiert und den Rest durch Carsharing kompensiert. Daraus entstand die Idee, selbst im Feld des Carsharings tätig zu werden. Das bedeutet für mich eine Neudefinition der Mobilität, um ein Angebot an klimafreundlichen Fortbewegungsmitteln zu schaffen und wirtschaftlich zu handeln. Im Zuge des demografischen Wandels arbeiten wir an Angeboten wie z. B. einem Einkaufservice, einer Begleitung zu Arztbesuchen oder Hilfen für den Haushalt, da wir den Anspruch haben, dass die Mieter so lange wie möglich selbst in ihren Wohnungen bleiben können.





