Ausgabe 2.2019

AUSZUG AUS DEM INHALT:

TITELTHEMA
Zukunftsfähige Mobilitätskonzepte – Planung und Best-Practice-Beispiele
Verdichtung und wachsende Motorisierung bringen städtische Verkehrssysteme an ihre Grenzen. Staus, Dieselfahrverbote und übervolle Busse und Bahnen sind nur einige Symptome dieser Entwicklung. Mit zukunftsfähigen Mobilitätskonzepten kann dem entgegengewirkt werden.

Bieten nicht neue Stadtquartiere die Chance, attraktive neue Mobilitätsangebote zu testen und die Verkehrsinfrastruktur so zu planen, dass auf den privaten Pkw-Besitz weitgehend verzichtet werden kann? Aus der Forschung ist bekannt,   dass die Umbruchsituation eines Umzugs eine Gelegenheit bietet, alte Mobilitätsroutinen zu überdenken. Somit können gerade in neuen Stadtquartieren durch die Bereitstellung alternativer Mobilitätsangebote gute Chancen bestehen, einen Beitrag zur Lösung der Verkehrsprobleme zu leisten. Aktuelle Beispiele für die Umsetzung solcher Strategien sind der DomagkPark in München, die Lincoln-Siedlung in Darmstadt, die HafenCity in Hamburg oder die Seestadt Aspern in Wien. Typische Handlungsansätze sind die Bereitstellung hochwertiger Fahrradstellplätze, Fahrradreparaturservices, ein restriktives Parkraummanagement ein Car- und Bikesharingangebot sowie Mietertickets für den ÖPNV.

REALISIERTE OBJEKTE
Wohnpark in Berlin – Multifunktionaler Leuchtturm
In Berlin Köpenick plante Gewers Pudewill zusammen mit der Hoch- und Tiefbau Generalplanung Schröder GmbH ein Wohnensemble mit elf Wohngebäuden inklusive Tiefgarage, Gewerbe und Kindertagesstätte. Nach zehnjährigem Baustillstand dient dieser Wohnkomplex der Auftraggeberin degewo AG, Berlins größter Wohnungsbaugesellschaft, als Leuchtturmprojekt beim Wiedereinstieg in den Wohnungsbau.

STÄDTEBAU & QUARTIERSENTWICKLUNG
Grüner Wohnhof am Prenzlauer Berg – BIGyard
Der Traum vom Wohnen mit Garten mitten in der Großstadt Berlin wurde in dem Baugruppenprojekt BIGyard in Berlin-Prenzlauer Berg verwirklicht. 45 Wohneinheiten unterschiedlicher Wohnungstypen wurden auf dem  innerstädtischen Grundstück im urban stark verdichteten Gründerzeitviertel realisiert. Intensive Überlegungen zur Raumbildung, den Nutzungsansprüchen und den Spielangeboten trugen wesentlich zum Erfolg des Projekts bei.

INTERVIEW
Im Gespräch mit Ivan Kosarev – Quartiersgaragen
Stellplätze können ein gewichtiger Kostenbestandteil im Wohnungsbau sein. In neuen Stadtquartieren bietet sich die Möglichkeit, privaten Parkraum in Quartiersgaragen zu bündeln. Welche Vorteile das hat und wie die Finanzierung und der Betrieb bewerkstelligt werden können, erklärt Ivan Kosarev, Geschäftsführer der LK Argus GmbH.

ENERGIE, TECHNIK & BAUSTOFFE
Schallschutz – Luftschalldämmung mit Fenstern
Schalldämmung mit Fenstern bedeutet weit mehr als die Erhöhung der Lebensqualität in den Wohn- und Arbeitsbereichen. Vielmehr wird mit Lärmschutzfenstern ein signifikanter Beitrag zum Gesundheitsschutz geleistet. Für die fachgerechte Planung sind einige technische Voraussetzungen zu beachten.

Fassadenrinnen für modulare Wohnhäuser – Shopping und Wohnen in Kopenhagen
Mit der Neukonzeption eines teilgefertigten Einkaufszentrums ist im Kopenhagener Stadtteil Vanløse ein einzigartiger Gebäudekomplex entstanden. Auf mehreren Ebenen präsentiert sich das Quartier als innovative Kombination aus öffentlichem Raum und privaten Wohnflächen über den Dächern der Stadt. Besondere Anforderungen werden an die Entwässerung und Entlüftung der Wohngebäude gestellt.

Balkonsanierung – Wohnhochhaus reloaded
Optisch und funktional neu gestaltet wurde die Fassade eines Wohnhochhauses im Hanauer Freigericht-Viertel. Die Sanierung war Teil einer umfangreichen Bestandsaufwertung des Gebäudes aus den 1970er-Jahren, das in diesem Zuge auch moderne Aluminium-Verkleidungen an Balkonen und Loggien erhielt. Diese bieten den Bewohnern einen privaten Außenbereich, den sie ganzjährig nutzen können.

BAUKOSTEN & FINANZIERUNG
Passivhaustechnologie – Mehrkosten für Energieeffizienz
Es ist gängige Meinung, dass die Durchsetzungsfähigkeit und Marktdurchdringung der Passivhaustechnologie neben der technischen Funktionstüchtigkeit maßgeblich von den baulichen Mehrkosten abhängt. Aber sind die Bauwerkskosten auch mit modernen Technologien immer noch viel höher als die von „gewöhnlichen“ Neubauten? Antworten darauf gibt ein Forschungsprojekt der CEPHEUS-Initiative.

RECHT & STEUERN
Nahwärme und Mieterstrom – Energiewende im Wohnquartier
Energetische Quartiersversorgung ist en vogue: das Blockheizkraftwerk, das mit Kraftwärmekopplungstechnik (KWK) direkt vor Ort Strom und Wärme liefert. Die Solar-Dachanlage, deren umweltfreundlicher Solarstrom den Bewohnern für ihre Haushalte sowie bestenfalls auch noch für ein grünes Aufladen ihrer Elektrofahrzeuge zur Verfügung steht. All das sind nicht zuletzt aus Gründen der Energieeffizienz und des Klimaschutzes Erwartungen der Kunden, sodass entsprechende Konzepte im Projektentwicklungsgeschäft derzeit kaum mehr wegzudenken sind. Doch wie sind hier die rechtlichen Vorgaben?

In die Pedale – fertig – los!

Auf der Internetseite des zukunftsInstituts, das als einer der einflussreichsten Think-Tanks der europäischen Trend- und Zukunftsforschung gilt, ist zu lesen: „Megatrends muss man nicht ,voraussagen‘, denn sie sind schon da und markieren Veränderungen, die uns schon lange prägen und auch noch lange prägen werden. Megatrends sind Tiefenströmungen des Wandels. Als Entwicklungskonstanten der globalen Gesellschaft umfassen sie mehrere Jahrzehnte. Ein Megatrend wirkt in jedem Menschen und umfasst alle Ebenen der Gesellschaft: Wirtschaft und Politik, Wissenschaft, Technik und Kultur. Megatrends verändern die Welt – zwar langsam, dafür aber grundlegend und langfristig.“

Auch die Mobilität ist ein Megatrend. Vor allem die Vielfalt der verschiedenen Mobilitätsformen nimmt immer weiter zu – vom autonomen Fahren über Carsharing und E-Mobility bis zum Bike-Boom. Dass bei Letzterem die Devise gilt „Gemeinsam sind wir stark!“ haben sich vielleicht schon die Initiatoren der ersten „Critical Mass“-Veranstaltung in San Franzisco im Jahr 1992 gedacht. Dass sich diese zu einer weltweiten Bewegung entwickeln würde, wahrscheinlich nicht. Seitdem treffen sich in über 300 Städten Fahrradfahrer unter der Bezeichnung „Critical Mass“, um auf den Stellenwert des Radverkehrs aufmerksam zu machen. Da kommen auch schon mal über 6.000 Teilnehmer zusammen, wie z. B. in Hamburg.

In den Niederlanden versucht das Ministerium auf andere Art und Weise, die Menschen zum Fahrradfahren zu bewegen. Es ermöglicht Pendlern, dass die Arbeitgeber ihre Angestellten für Fahrradfahrten zur Arbeit entlohnen, wenn dabei das Auto stehen bleibt. Bei 19 Cent pro Kilometer kommt da schon etwas zusammen. Auch andere Länder haben sich übrigens schon in diese Richtung bewegt: In Belgien gibt es schon seit 1999 ein Prämiensystem für Radfahrer und Frankreich will im nächsten Jahr nachziehen. Das finde ich gut und sage ganz ohne Prämie: „In die Pedale – fertig – los!“

Ihre Julia Ciriacy-Wantrup
Chefredakteurin QUARTIER