Ausgabe 1.2020

AUSZUG AUS DEM INHALT:

TITELTHEMA
Systembaustoff Kalksandstein – Aufbau und Eigenschaften von zweischaligem Mauerwerk
In Deutschland werden jährlich knapp 400.000 neue Wohnungen benötigt, um Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen. Um diese Zahl zu erreichen, muss sowohl die Baukapazität als auch das Angebot an Baugrundstücken erheblich ausgeweitet werden. Beides ist kurzfristig nicht realisierbar. Daher ist es notwendig, mit Bausystemen und Baustoffen zu arbeiten, die schnell und kostengünstig verarbeitet werden können. Zudem ist in eng bebauten Gebieten ein einfach realisierbarer und hoher Schallschutz unabdingbar.

REALISIERTE OBJEKTE
Typenbau in Frankfurt – Qualitätsvoll und kostengünstig
Im Frankfurter Stadtteil Oberrad hat schneider+schumacher im Auftrag der ABG FRANKFURT HOLDING im Jahr 2018 ein Wohnungsbauprojekt errichtet. Dafür wurde ein universell einsetzbarer Wohnungsbautypus entwickelt, der an die Bedingungen des Ortes adaptierbar ist und sich so räumlich und architektonisch in sein Umfeld einfügt.

STÄDTEBAU & QUARTIERSENTWICKLUNG
Stadtentwicklung für kulturelle Vielfalt – Vernetztes Quartier, gemischte Stadt
Für eine weitsichtige Stadtentwicklungsplanung braucht es einen Wohnungsmarkt, der sozialen Verwerfungen entgegenarbeitet, um Menschen unabhängig von ihrem sozialen oder kulturellen Hintergrund stärker miteinander in Verbindung zu bringen. Aber auch bestimmte Einrichtungen und Orte in einem Stadtteil können den Zusammenhalt und die kulturelle Vielfalt fördern.

INTERVIEW
Im Gespräch mit Dr. Klaus Habermann-Nieße – Soziale Vielfalt

Ein Projekt des Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus (ExWoSt) des Bundes hat die soziale Vielfalt in Stadtquartieren unter starkem Nachfragedruck untersucht. Wir sprechen darüber mit Dr. Habermann-Nieße von plan zwei, einem Stadtplanungs- und Stadtforschungsbüro aus Hannover, das die Untersuchung in Kooperation mit der Forschungsgruppe agis e. V. im Auftrag von BBSR und dem Bauministerium durchgeführt hat.

ENERGIE, TECHNIK & BAUSTOFFE
Fenstermontage in hochwärmedämmendem Ziegelmauerwerk – Gut geplant, ausgeschrieben und ausgeführt

Um mit monolithischem Ziegelmauerwerk die Anforderungen der EnEV erfüllen zu können, wurden die Steine in den letzten Jahren wärmetechnisch optimiert, indem die Stege dünner und der Lochanteil größer wurde. Dies führte aber zur Reduzierung der mechanischen Festigkeit. Dadurch wird die Befestigung von Fenstern mit herkömmlichen Methoden immer schwieriger. In einem Forschungsprojekt des ift Rosenheim wurden Empfehlungen für die Befestigung und Bemessungsverfahren entwickelt, validiert und in den kostenlosen ift-Montageplaner integriert.

Klimaschutzsiedlung in Mönchengladbach – Farbenfrohe Fassadenelemente und Kratzputz
Das Programm „100 Klimaschutzsiedlungen in NRW“ der nordrhein-westfälischen Landesregierung hat sich die konsequente Reduzierung der CO²-Emissionen von Wohnsiedlungen auf die Fahne geschrieben. Gleichzeitig sollen sich die innovativen Quartiere durch eine hohe städtebauliche und gestalterische Qualität auszeichnen. Die Wohnsiedlung „Am Wasserturm“ ist die erste von bis heute drei Klimaschutzsiedlungen in Mönchengladbach.

Wasser, Licht- und Klangtechnik im öffentlichen Raum – Urbane Choreografien
In Zürich, Memmingen, Badenweiler und Bonlanden/Iller sind neuerdings auf Stadtplätzen, in Stadtparks und öffentlich zugänglichen Gärten besondere Attraktionen zu finden: Selbsttätig ablaufende Choreografien, die bestimmten Tagesrhythmen folgen oder natürliche Ereignisse wie Wind, Erdbewegungen oder Infraschall nutzen. Im Verborgenen geben dazu digitale Werkzeuge Impulse für Wasserbewegung, Lichtreflexion und Klang.

BAUKOSTEN & FINANZIERUNG
Modulbau in Leverkusen – Schnelle Nachverdichtung
Die Wohnungsgesellschaft Leverkusen (WGL) ist das kommunale Wohnungsunternehmen der Stadt Leverkusen. Mit ihren rund 7.000 Wohneinheiten stellt die Gesellschaft dem städtischen Wohnungsmarkt ein breit gefächertes Angebot zur Verfügung, das ständig vergrößert wird – nun erstmals in moderner und qualitativ hochwertiger Modulbauweise.

RECHT & STEUERN
Mobilisierung von baureifen Grundstücken – Grundsteuer-Reform für mehr Bauland
Nach zähem politischen Ringen kann das Gesetzespaket zur Reform der Grundsteuer wie geplant in Kraft treten: Ab 2025 wird dann in den Bundesländern die Grundsteuer nach neuen Regeln erhoben. Teil des Reformpakets ist neben einem neuen Bewertungsrecht auch die Baulandmobilisierung baureifer Grundstücke mittels einer neuen Grundsteuer C. Welche rechtlichen Anforderungen sind hierbei zu beachten?

50 Mal um den Äquator

Mit der Wohngeldreform, dem Bundesteilhabegesetz oder einem höheren Branchenmindestlohn z. B. im Baugewerbe bringt uns das Jahr 2020 positive gesetzliche Neuerungen. Manche neuen Gesetze erscheinen einem in der Umsetzung aber dann doch fragwürdig. Ich denke hier an die Kassenbon-Pflicht. Die Ausgabepflicht der Belege soll die Steuerehrlichkeit erhöhen und die lückenlose elektronische Dokumentation soll dazu beitragen, dass künftig keine Umsätze mehr an den Finanzämtern vorbeifließen. Diese Intention ist natürlich löblich. Aber wie sieht das in der Praxis aus? Für jeden noch so kleinen Einkauf wird nun ein Bon ausgedruckt – ob am Kiosk, der Tankstelle oder auch beim Bäcker … und dieser wandert fast unverzüglich in den Mülleimer, weil die meisten Kunden den Kassenbon gar nicht haben wollen.

„Dann landet der Bon eben im Papiermüll“, denken Sie? Leider nein – das Thermopapier, auf dem die Kassenbons gedruckt werden, enthält meist Chemikalien und sollte laut Umweltbundesamt in den Restmüll entsorgt werden. Auf die Alternative, die Rechnung per E‑Mail (!) an die Kunden zu verschicken gehe ich jetzt nicht ein, das erscheint mir – z. B. im Falle des Brötchen-Einkaufs beim Bäcker – dann doch zu absurd. Ganz zu schweigen vom Datenschutz.

Der Handelsverband Deutschland hat berechnet, dass die im Jahr zusätzlich benötigten Kassenbons aneinandergereiht zwei Millionen Kilometer lang sein sollen – und damit 50 Mal den Äquator umrunden könnten. Schade um das dafür eingesetzte Holz.

Ressourcenschonende Grüße

Ihre Julia Ciriacy-Wantrup
Chefredakteurin QUARTIER