Ausgabe 1.2022

AUSZUG AUS DEM INHALT:

TITELTHEMA
Variowohnungen – Bezahlbar, anpassbar, nachhaltig
Die Baubranche sieht sich aktuell vor unterschiedlichen Herausforderungen. In Ballungsgebieten besteht ein akuter Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Gleichzeitig erfordert der Klimawandel einen sparsamen Umgang mit Ressourcen und eine Reduktion von Umweltwirkungen bei Errichtung und Betrieb von Gebäuden. Die wesentliche Frage im Forschungsprojekt „Modellvorhaben für den nachhaltigen und bezahlbaren Bau von Variowohnungen“ war daher: Können wir nachhaltig und damit zukunftsfähig bauen und gleichzeitig schnell bezahlbaren Wohnraum in hoher Qualität schaffen?

REALISIERTE OBJEKTE
Parkplatzüberbauung als innerstädtische Flächenoptimierung – Nachverdichtung auf Stelzen
An einem Standort wie München, wo es großen Bedarf an bezahlbaren Mietwohnungen und zugleich knappe Flächen gibt, können innovative Lösungen neue Möglichkeiten aufzeigen. Eine solche hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft GEWOFAG im Jahr 2016 als Pilotprojekt umgesetzt: die Parkplatzüberbauung „Dante I“ neben dem Dantebad im Stadtteil Nymphenburg. Das in Holzsystembauweise auf einem Betontisch ausgeführte Projekt stieß auf internationales Interesse und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Erfolgreiche Pilotprojekte verlangen idealerweise nach Wiederholung. Daher begann frühzeitig die Standortsuche für das Folgeprojekt Dante II.

INTERVIEW
Im Gespräch mit Harry Gugger – Holzmodule mit Raumwirkung
Preiswertes Wohnen durch geringe Erstellungskosten und kompakte Wohnungsgrundrisse: Das Architekturbüro Harry Gugger Studio konnte dies bei einem Wohnbauprojekt in Basel mithilfe von modularer Holzbauweise umsetzen. Warum die Räume dabei trotzdem großzügig wirken, erklärt Geschäftsführer Harry Gugger.

STÄDTEBAU & QUARTIERSENTWICKLUNG
Nachhaltige Quartiersentwicklung – Ökosiedlung Friedrichsdorf
Bei der Ökosiedlung im 16 km nördlich von Frankfurt gelegenen Friedrichsdorf ist der Name Programm: Die ökologisch nachhaltige Ausrichtung zieht sich vom energetischen Konzept über die Grünflächen bis zu Baustoffen und Mobilität. Doch auch den sozialen Aspekten wird ein sehr hoher Stellenwert eingeräumt. Die Bürger wurden dabei stark in die Planungen eingebunden.

ENERGIE, TECHNIK & BAUSTOFFE
Aufstockung und Sanierung – Eins draufgesetzt in Wiesbaden
Eine architektonisch eigenständige Aufstockung eines Geschosswohnungsbaus aus den 1950-Jahren lässt in der Innenstadt von Wiesbaden sechs zusätzliche Wohnungen entstehen. Die Ausführung als einfache, vorgefertigte Holzrahmenkonstruktion auf einer Brettstapeldecke ist effizient und nachhaltig.
Aufstockung und Sanierung – Massivbau in Stahlbetonweise in Innsbruck
Der Wohnbauträger NEUE HEIMAT TIROL hat mit Geldern aus der EU-Initiative SINFONIA eine Wohnanlage aus den Nachkriegsjahren saniert und aufgestockt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Das neue Wohnquartier erfreut nicht nur die Bewohner, sondern ist auch ein viel beachtetes Referenzprojekt für Nachhaltigkeit am Bau.
Trittschalldämmung und tieffrequente Geräuschimmissionen – Schallschutz im Holzbau
Bauakustische Messungen im Holzbau zeigen, dass die Anforderungen an die Trittschalldämmung, aber auch der Schutz gegen Außenlärm und gegen Lärm von gebäudetechnischen Anlagen in der Praxis immer wieder nicht erreicht werden. Insbesondere die häufig als störend empfundenen tieffrequenten Geräuschimmissionen können jedoch mit einigen gezielten Maßnahmen begrenzt werden.

BAUKOSTEN & FINANZIERUNG
Erbbaurechte für Genossenschaften – Ein gutes Gespann
Viele Städte und Gemeinden gehen aktuell dazu über, Grundstücke im Erbbaurecht zu vergeben, anstatt sie zu verkaufen. Das betrifft auch Flächen für den Geschosswohnungsbau. Wie gehen Genossenschaften damit um?

RECHT & STEUERN
Neue Heizkostenverordnung – HeizkostenV
Mit dem 1. Dezember 2021 trat die novellierte Heizkostenverordnung in Kraft. Welche Auswirkungen haben die Veränderungen auf Wohneigentümer, Vermieter, Wohnbaugesellschaften und Wohnbaugenossenschaften und wie können sich diese auf die Umstellungen vorbereiten?

Ausgezeichnet

Seit 2007 zeichnet das Deutsche Architekturmuseum (DAM) mit dem DAM Preis herausragende Bauten in Deutschland aus. In diesem Jahr geht der DAM Preis an das innovative Wohnprojekt „San Riemo“ in der Messestadt München-Riem.

Die Baugenossenschaft KOOPERATIVE GROSSSTADT hatte für ihr erstes Wohnungsbauprojekt einen eigenen Wettbewerb veranstaltet, zu dem es 62 Einreichungen gab. Aus Kostengründen fiel die Realisierungsentscheidung zugunsten des ursprünglich zweitplatzierten Entwurfs der ARGE SUMMACUMFEMMER BÜRO JULIANE GREB. Ästhetisch überrascht das Gebäude durch eine Straßenfront mit schlanken Wintergärten hinter gewellten Polycarbonattafeln. Durch eine matrixartige Raumstruktur sind im Gebäude unterschiedliche Wohnungsgrundrisse für verschiedene Lebensweisen einschließlich gemeinschaftlicher Flächen möglich. Die Jury ist überzeugt: Dieses klug durchdachte und schon jetzt von den Bewohnern vollen Herzens angenommene Haus setzt Maßstäbe in der drängenden Frage nach der Zukunft des Wohnens.

Die drei weiteren Finalisten sind die „John Cranko Schule“ von Burger Rudacs Architekten in Stuttgart, die Forschungshäuser „Einfach Bauen“ von Florian Nagler Architekten in Bad Aibling und der „Axel Springer Neubau“ von OMA in Berlin.

Auch beim Deutschen Holzbaupreis 2021 war ein spannendes städtebauliches Projekt unter den Gewinnern: Die Ökologische Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park in München erhielt eine Auszeichnung in der Kategorie Konzepte. Die Jury würdigte dort in besonderer Weise das Zusammenspiel aller unterschiedlichen Akteure und Faktoren, die diese Mustersiedlung zu dem machen, was heute international auf großes Interesse stößt – und dessen wesentlicher Bestandteil der Holzbau ist. Lesen Sie mehr dazu und über die anderen Preisträger auf S. 24.

Inspirierende Grüße

Ihre Julia Ciriacy-Wantrup
Chefredakteurin QUARTIER